man sieht fast nie betrunkene. haben die ärmsten nicht einmal geld für alkohol?
mit marcos am GUÁPOLO, 17.jahrhundert-kirche im tal, volksname für virgen de guadalupe (in mexiko).
das anstrengenste hier ist, daß man immerzu aufpassen muß. (falls der kellner die versiegelte wasserflasche selbst öffnet, könnte es sein, daß sie schon offen war, d.h. daß er das für mich gefährliche leitungswasser eingefüllt hatte.)
die gesten des bettelns. es gibt viele formen: deutlich, nicht so deutlich, ausdrucksvoll, beschwörend ausdrucksvoll.
betteln ist ein beruf, eine anstrengende arbeit.
die geste wird zum bloßen zeichen, wenn die indiofrau, die anhaltende autofahrer anbettelt, mich vorbeigehen sieht und nur schnell den arm mit flacher hand ausstreckt.
marcos sagt, alexander von humboldt habe in quito drei monate gelebt und mit einer indígena ein kind gezeugt. das wäre interessant.
zweite fliege.
erstmals regen am morgen.
arco iris = regenbogen.
kommunikation ist schön und erleichtert das leben sehr; aber der anfallende müll ist meist sehr groß, und kommunikation lenkt schnell vom wesentlichen und von dem ab, was ich wirklich will.
meine beschämung über meine ausdrucksschwäche im spanischen hält an, obwohl sie sich stark verringert hat.
im café-lautsprecher grade “la bamba”, das berühmte stück, erinnert mich an 1962/63 leopoldstraße 95 in münchen, wo das in der bar nebenan der hauptschlager war, der auch mir sehr gut gefiel. es ist gut denkbar, daß mein fernweh nach bolivien oder südamerika damit zusammenhing.
“la paciencia es una virtud que se adquiere con la paciencia.”
alleinsein ist herrlich -, pero depende.
am imbißstand schenken leute bettelnden kleinen kindern pommes-frites-reste.
wohlgenährter junge im bus streckt einem bettelnd den schokoladenbraunen armstumpf entgegen, ihm fehlt die rechte hand. brechreiz.
internationale postbarbarei: das schöne buch “obra poetica” von jorge carrera andrade kostet 15 dollar. dieses buch nach deutschland zu schicken, würde 29 dollar kosten.
obwohl man möchte, kann man nicht sagen, daß der lärm (stimmen, lautsprecher) und die grobheit (z.b. trampeln) ein zeichen der unbildung sind. nicht von natur lärmt der mensch rum, eine “primitive” kultur ist wahrscheinlich im durchschnitt ruhiger. lärm und grobheit hier und sonstwo sind kulturell, sie gehören – zur form der vergesellschaftung.
der tourist fühlt sich schnell wunderbar, und schnell beschissen, wie ein kind (siehe oben).